Die Sortenbeschreibung

Ingenieur Bröder beschreibt die Sorte (vermutlich in Zusammenarbeit mit Eduard Lucas) so:

„(…) Die Frucht ist groß bis sehr groß und erreicht bei 400 m NN einen Umfang von bis zu 29 cm (ca. 10 cm Durchmesser; Anm. des Autors). In Form und Farbe ist die Frucht dem Gravensteiner Apfel sehr ähnlich.

pfückreifer Apfel
pflückreifer Dülmener Rosenapfel

Der geschlossene Kelch liegt ziemlich flach. Die Breitenachse ist meist größer als die Höhenachse.
Die Stielhöhle ist von geringer Tiefe, der Stiel meist kurz. In der Baumreihe ist die Frucht sattgelb gefärbt.
Sonnenseitig zeigt sie sich wenig gerötet und nur selten berostet. Insgesamt hat der Apfel bereits am Baum ein leckeres Aussehen.
Das Fruchtfleisch ist gelblich-weiß, sehr saftig und von feinwürzigem Geschmack.

Nach kurzer Lagerung von 2 bis 3 Wochen tritt die Genussreife ein. Es handelt sich um eine Vorwinter-Frucht, die nicht über den Dezember hinaus gelagert werden sollte, da sonst ein Geschmacksverlust eintritt.
Die Sorte wächst kräftig und gesund. Auf Wildlingsunterlagen ist ein früher und regelmäßiger Fruchansatz zu erwarten.

Die Früchte bilden sich vorzugsweise eher im inneren der Krone, während außen ein kräftiges Wachstum der jungen Triebe stattfindet.
Pflanzliche und tierische Schädlinge meiden den Baum, selbst den Läusen ist er zu derb.

Auf der Wildlingsunterlage (Sämlingsunterlage; Anm. d. Autors) entwickelt sich eine starke Pyramiden-Krone, die erst im 7. oder 8. Standjahr Früchte trägt.
Zur Erziehung auf einem Halbstamm bietet sich ein mäßiger Rückschnitt alle 3 bis 4 Jahre an. Der Baum ist resistent gegen den Rostpilz. Da es sich nicht um einen Dauerapfel (Lagerapfel; Anm. d. Autors) handelt, ist der Plantagenanbau nicht zu empfehlen (…)“


Hier kann man sehr schön die Entwicklung der Kulturapfelsorten in den letzen Jahrzehnten erkennen.

Mit einem Durchmesser von 10 cm gilt der Apfel nach heutigen Maßstäben nicht mehr als besonders groß. Der Trend geht heute aber wieder zu kleineren Früchten, z. B. für Kinder. Vielleicht muss die heutige Einschätzung in 10 Jahren aber auch wieder revidiert werden.

Gelbe Schattenfrüchte kommen im Plantagenanbau heute nicht mehr vor. Die Baumformen, wie z. B.  die sogenannte Superspindel, fördern die maximale Lichtausbeute. Dadurch werden alle Früchte gleichmäßig farbig. Beim Dülmener Rosenapfel zumindest auf einer Seite.

Durch moderne Schnittmaßnahmen erreicht man, dass der Fruchtbehang nicht nur im Kroneninneren entsteht, sondern gleichmäßig verteilt ist.

Lässt man die Krone frei wachsen, entwickelt sich tatsächlich eine Pyamidenform, je nach Veredelungsunterlage mehr oder weniger stark ausgeprägt.

Ein veredelter Baum geht heute nach 3 oder 4 Jahren in den Vollertrag. Im 8. und 9. Standjahr wird der Ertrag schon wieder unrentabel und der Baum wird wieder gerodet. Die erste Tracht im 7. Standjahr, wie damals üblich, ist lange überholt. Vielleicht kann man die Frage stellen, ob diese Schnelllebigkeit zu Lasten der inneren Qualität geht und damit den Geschmack beeinflusst.

Äpfel werden heute nach der Ernte  in kontrollierter Atmosphäre gelagert (CA-Lager). Dadurch bleibt die Genussreife monatelang erhalten. Inzwischen ist der Plantagenanbau also sehr wohl zu empfehlen.