Ab in’s Beet

Einfach eine kleine Handvoll aus dem Messbecher nehmen und mit einer lockeren Handbewegung über den Zeigefinger auf das Beet streuen. Das schwere Kalkgranulat fliegt weiter als die leichten Samen, deshalb nicht zu weit werfen und lieber durch das Beet laufen und viele kleine Hände ausstreuen.

Das Saatgut ist kaum auszumachen, aber der Kalk ist gut zu sehen.

Anschließend leicht einharken, so verteilt sich das Saatgut noch gleichmäßiger auf der Fläche und wird gleichzeitig etwas mit Erde bedeckt.

Dann das Ganze noch fest treten oder walzen, sodass  die Samen richtig Bodenschluss haben und beim Keimen direkt ins Erdreich eindringen können. Das erleichtert die Wurzelbildung.

… sieht immer etwas blöde aus, wenn ich im Frühjahr auf den Beeten herum wandere. Ein lustiges Schauspiel für die Nachbarschaft.

Nicht düngen, nicht gießen, einfach warten.

Nach ein paar Wochen – das hängt vom Wetter ab – sieht es dann so aus.

Im Hintergrund noch die Stauden aus dem Vorjahr. Im Vordergrund geht die Saat auf. Läuft also.

Saatgut strecken

Jetzt noch das Saatgut strecken.

Da gab es doch das Problem:
 Wie verteile ich 1g Saatgut möglichst gleichmäßig auf einen Quadratmeter?

Ich mische das Saatgut einfach mit Gartenkalk (Bild: im linken Becher). Dazu eignet sich z. B. Cuxin Grün-Kalk Granulat (20 kg gibt’s im Raiffeisenmarkt für ca. 12€). Dieser Gartenkalk ist granuliert und staubt kaum, lässt sich somit bestens mit dem Saatgut mischen und gut auswerfen.

Und nein, auch Cuxin ist nicht mein Arbeitgeber oder mir irgendwie zu Dank verpflichtet. 

Rechts sind 20g Saatgut abgewogen, das reicht also für 20m². Die Kalkmenge ist beliebig wählbar.

Man muss nicht unbedingt die Menge für 20m² nehmen, es kann auch erst einmal weniger sein, sonst findet man das Saatgut im Kalk nicht wieder.

Zugegeben die Perspektive ist nicht so doll, aber so sehen 20 g Saatgut in einem Liter-Messbecher aus.

Denn Kalk dazu geben und gut vermischen.

Jetzt aber endlich raus in’s Beet.

Das Saatgut wird geliefert

Die Einwaage

Der Karton ist die einzige Verpackung. Es gibt keinen Kunststoffbeutel und keine weitere Papierverpackung, die das Saatgut schützt. Wenn der Karton feucht wird, war es das. Außerdem sind die Schachteln rundherum nicht komplett dicht. An den Kanten und Falzen rieselt das feine Saatgut heraus und kommt mir aus dem Versandkarton entgegen. Die Vermeidung von Verpackungsmüll ist zwar löblich, aber hier wäre Beutel-in-Beutel besser gewesen.

Natürlich prüfen wir, ob die Inhaltsangabe auch stimmt.

Die Einwaage ergibt:

Insektentreff: 108 g - Okay, 8% mehr. Man dankt.
Schmetterlingstreff: 97g - Ups, da fehlt aber etwas.
Bienen- und Hummelmagnet: 114g - Holla, 14% mehr als angegeben. Vielen Dank!

Man wundert sich schon, dass die automatische Abfüllung so ungenau ist. Das sollte eigentlich heutzutage nicht mehr passieren. Natürlich sind die Werte nicht statistisch abgesichert, aber sie ergeben doch ein merkwürdigen Bild.

Einwage Insektentreff
1. Insektentreff Einwaage
Einwaage Schmetterlingstreff
2. Schmetterlingstreff Einwaage
Bienenmagnet Einwaage
3. Einwaage Bienen- und Hummelmagnet

Noch eigenartiger ist, dass auf er Verpackung die Mengen der Einzelkomponenten nicht angegeben sind. Es sind lediglich die Einzelsorten angegeben. Bestimmt gibt es im Kleingedruckten des Handelsrechts einen Paragraphen, der das erlaubt.

 

Die Bonitur

Wir verteilen den Inhalt der Mischung ‚Insektentreff‘ und sortieren nach den einzelnen Sorten, um die Samen zu zählen. Mal sehen, wie viel von den einzelnen Sorten drin ist. Bei einem TKG (Tausend-Korn-Gewicht) von 0,9 bis 1,8 Gramm dürfte einiges zusammenkommen. Bei hundert Gramm sind das also 90.000 bis 180.000 Samen. *schluck*

Saatbonitur InsektentreffAuf einem DIN-A4-Blatt sieht das so aus.

Och nö, bis ich damit durch bin, ist es Herbst. Lassen wir das einfach mal bleiben.

Auf einen Blick kann man aber schon erkennen, dass das Gemisch sehr heterogen ist. Die Ringelblume scheint dominant zu sein, was aber nur daran liegt, dass der Samen eine sehr auffällige Form hat und recht groß ist.

 

 

Die Teelöffelprobe

Erstmal im Karton herum rühren und einen Teelöffel auf dem weißen DIN-A4-Blatt verteilen.

Auch hier fällt direkt die Ringelblume auf. Aber es gibt auch noch größeres Saatgut: die Kapuzinerkresse. Außerdem viele andere Sorten. Ohne es jetzt genau auszuzählen kann man direkt erkennen, dass es sich definitiv um unterschiedliche Mischungen handelt.

Soweit also okay.

Diese (völlig unwissenschaftliche und überflüssige) Probe funktioniert übrigens auch mit einem Kaffeelöffel.
Teelöffelprobe Insektentreff
5. Insektentreff Teelöffelprobe
Schnmetterlingstreffpunt Teelöffelprobe
6. Teelöffelprobe Schmetterlingstreffpunkt
Bienen- und Hummelmagnet Teelöffelprobe
7. Teelöffelprobe Bienen- und Hummelmagnet

 

 

 

Die Sorten in den Mischungen

 Anzahl Sorten282530
botanischer Namedeutscher NameBienen- und HummelmagnetInsektentreffSchmetterlings-treffpunkt
Adonis aestivalisAdonisröschenxxx
Agrostemma githagoKornradexxx
AmaranthusFuchsschwanzxxx
Anthemis tinctoriaFärberkamillex
Anthriscus cerefoliumKerbelx
Borago officinalisBorretschx
Calendula officinalisRingelblumexxx
Callistephus chinensisAsterxx
Centaurea cyanusKornblumexx
ChrysanthemumMargeritex
Chrysanthemum carinatumWucherblumex
ConsolidaFeldritterspornx
Coreopsis tinctoriaMädchenaugexx
Cosmos bipinnatusCosmeexx
Cosmos sulphureusSchmuckkörbchenx
Cynoglossum amabileChines. Vergissmeinnichtxx
Cynoglossum officinaleHundszungex
Daucus carotaMöhrex
Delphinium ajacisRitterspornx
EchinaceaSonnenhutx
Echium plantagineumNatterkopfxxx
Eschscholzia californicaKalifornischer Mohnxxx
Gaillardia aristataKornblumexxx
Gypsophila elegansSchleierkrautxxx
Helianthus annusSonnenblumexxx
Ipomea purpureaWindex
IpomoeaWindex
Lavatera trimestrisMalvenxx
Lobularia maritimaSteinkrautxxx
Lupinus polyphyllusLupinex
Malva moschata. L.Wilde Malvex
Matricaria chamomillaKamillex
Nemophila menziesiiLiebeshainblumexxx
Papaver rhoeasKlatschmohnxxx
Phacelia tanacetifoliaBienenfreundxxx
PhloxFlammenblumex
Phlox paniculataSommerphloxxx
Reseda odorataResedaxxx
RudbeckiaSonnenhutxx
ScabiosaSkabiosexx
TagetesStudentenblumexxx
Tropeolum majusKapuzinerkressexx
Zinnia elegansZinniex

zusammengeschraubt von Martin Wiesel, nach den Produktangaben der Fa. Baldur.

Bienenpflanzen

> Säen Sie viele verschiedene einheimische und standortangepasste Blütenpflanzen aus – möglichst mit Saatgut aus biologischen Anbau oder von Wildpflanzen.

> Indem Sie früh-, mittel- und spätblühende Sorten nehmen, verlängern Sie das Blütenangebot für Bestäuber, denen es im Frühjahr und im Spätsommer oft an Nahrungsquellen fehlt.

> Vermeiden Sie Blumensorten, die gefüllt blühen (lat. flore pleno), denn sie bieten oft keinen Nektar oder Blütenstaub für die Bienen (häufig am Zusatz „fl. pl.“ zu erkennen).

Quelle: Greenpeace, Rette die Biene, Informationen und Tipps für Verbraucher

So, wie komme ich jetzt an die passenden Blütenpflanzen?

Testen wir doch einfach einmal, was das Internet so hergibt, z. B. fertige Saatmischungen wie diese hier von der Fa. Quedlinburger:

Nein, ich bin da nicht angestellt und bekomme auch keine kostenlosen Testlieferungen von dieser Firma. Ich habe einfach nach den üblichen Stichworten gesucht und habe dabei die Kleinpackungen ignoriert.

   

Bienen- und Hummelmagnet

Ein eigenartiger Name, aber man muss halt kreativ sein, um sich abzuheben: 28 Sorten blühen von Ende Juni bis Oktober

Insektentreff

Aha, eine Alternative zum Hundetreff: 25 Sorten blühen von Ende Juni bis Oktober.

Schmetterlingstreffpunkt

Du Meine Güte, da war es mit der Fantasie aber nicht weit her: 30 Sorten blühen von Ende Juni bis Oktober.

100g sind jeweils drin. Reicht also für 100 m². Da können sich einige Insekten satt essen.

Die Sorten gibt es auf einer eigene Seite.


Ein Rapsfeld im Garten – das geht auch billiger

Da sollte also für jeden etwas dabei sein. Aber da kommt auch schon die erste Frage. In vielen Bewertungsportalen kann man lesen, dass der Anteil an Raps, Senf und Phacelia so hoch ist, dass andere Blüten nicht zu sehen sind. Mit diesen Mischungen dürfte es also kein Problem geben, Raps und Senf sind nämlich nicht vorhanden. Wie viel von jeder Sorten drin ist kann man so ohne weiteres leider nicht erkennen. Auf der Webseite stehen nur die einzelnen Sorten. Auf der Verpackung muss es ausgewiesen sein (Saatgutverkehrsgesetz), aber wenn ich die in der Hand habe, ist der Paketbote längst weg und die Reklamation raubt Zeit.


Alles viel zu eng

Ein anderes Problem: es wird zu dicht gesät. Naja, wenn ich die Empfehlung auf der Verpackung lese: „1g pro Quadratmeter“, tauchen ein paar Fragezeichen auf. Wie soll ich ein Gramm feines Saatgut auf einem ganzen Quadratmeter verteilen? Ohne Hilfsmittel kann das nur schief gehen. Selbst der geübte Gärtner braucht ein paar Jahre und etliche Hektar Rasen zum Üben, um 30g pro Quadratmeter gleichmäßig mit der Hand zu säen. Was also machen? Einfach mit feinem, gut rieselfähigem Sand mischen. Schon hat man mehr Volumen in der Pranke. Am Besten weißen Sand nehmen, dann sieht man sofort, welche Stellen noch nicht gesät sind.


Das ist aber unnatürlich

25, 28 und 30 Sorten. Das ist schon mal eine Nummer. Diese Artenvielfalt kommt in der Natur auf einem Quadratmeter niemals vor, aber wir wollen ja auch keinen naturnahen Garten, sondern eine Bienenweide schaffen. Dabei geht es einfach darum, auf einer kleinen Fläche ein möglichst großes Nahrungsangebot für Insekten zu bieten. Wer Böses dabei denkt, entdeckt hier eine recht intensive Landwirtschaft, allerdings mit den besten Absichten.


Ausprobieren

Ein Bild sagt mehr, als tausend Worte. Wer kennt diese abgedroschene Phrase nicht. Hilft also nix, muss man ausprobieren und anschauen. Also, Saatgut bestellt, Beete vorbereitet und los geht’s.


Die Entwicklung werde ich den Sommer über bloggen. Los geht’s mit der Aussaat, demnächst wenn’s Frühling wird.


 

Die Biene braucht unsere Hilfe

Bienen sind mehr als einfach nur Honigproduzenten: Sie sind der Schlüssel für die weltweite Nahrungsmittelproduktion.

Ein Drittel unserer Lebensmittel – Gemüse, Früchte, Nüsse, Gewürze und Pflanzenöle – ist auf die Bestäubung von Insekten angewiesen. Von den 100 Nahrungspflanzen, die für 90 Prozent der globalen Nahrungsmittelproduktion sorgen, werden 71 von Bienen bestäubt.

Allein in Europa hängen mehr als 4.000 Gemüsesorten von Bienen ab. Wer würde all diese Pflanzen ohne die Bienen bestäuben?

Ein Beispiel aus China zeigt, dass Bestäubung per Hand extrem arbeitsintensiv, langsam und kostspielig ist. Gerade sehr vitaminreiche Nahrungsmittel wie Äpfel, Himbeeren, Tomaten und Mandeln würden sehr selten und teuer werden – Obst als Luxusgut.

Der ökonomische Wert der Bienenbestäubung beträgt weltweit ungefähr 256 Milliarden Euro. Bienenschutz zahlt sich also auch aus ökonomischer Sicht aus.

Das Bienensterben

In den letzten Jahren sterben mehr und mehr Bienen. Nicht nur viele europäische Länder leiden unter einer ungewöhnlich hohen Sterberate ihrer Honigbienen, weltweit berichten Imkerinnen und Imker seit den späten 1990er Jahren von einem plötzlichen und unerklärlichen Rückgang ihrer Bienenpopulationen.

Das hat verschiedene Gründe: Schwindende Lebensräume mit ausreichendem Futterangebot, Klimawandel, Parasiten und Krankheiten. Eine besondere Gefahr für die Bienen sind jedoch chemische

Pestizide. Insbesondere Chemikalien aus der Gruppe der Neonicotinoide sind wahre Bienenkiller. Sie schädigen das zentrale Nervensystem der Tiere. Neonicotinoide können zu einer chronischen Vergiftung führen und haben oft  tödliche Folgen für einzelne Individuen oder gar ganze Bienenvölker. Dies passiert beispielsweise, wenn Arbeiterbienen durch Pestizidwolken fliegen oder wenn sie ihrer Brut verseuchten Nektar und Pollen bringen.

Die Lösung

Wir brauchen dringend Gesetze, die den Einsatz von bienengefährdenden chemischen Pestiziden vollständig und dauerhaft verbieten. Greenpeace hat folgende Bienenkiller-Pestizide identifiziert, die vorrangig verboten werden müssen: Imidacloprid, Thiamethoxam, Clothianidin, Fipronil, Chlorpyriphos, Cypermethrin und Deltamethrin.

Maßnahmen zur Förderung der Vielfalt auf landwirtschaftlichen Flächen und der Schutz von noch intakten Ökosystemen tragen dazu bei, Bienen das Umfeld zu schaffen und zu erhalten, das sie zum Leben benötigen. Das Pflanzen von Hecken und Wildblumenflächen sowie miteinander verbundene Lebensräume helfen ebenfalls.

Auch Konsument/innen können helfen, indem sie nach ökologisch produzierten Lebensmitteln und einer ökologischen, chemiefreien und artenreichen Landwirtschaft fragen. Diese bekämpft Schädlinge unter anderem mit Nützlingen und ohne chemisch synthetische Pflanzenschutzmittel. Die robusten Sorten der ökologischen Landwirtschaft sind weniger anfällig für Schädlinge. Zudem werden gezielt Lebensräume für Nützlinge aufgewertet und durch eine optimale Fruchtfolge werden Schädlinge im Rahmen gehalten. Einfache, aber effektive Lösungen zur Rettung der Bienen!

Ein Anfang ist gemacht

Im Mai 2013 hat die EU-Kommission die drei schlimmsten bienenschädlichen Neonicotinoide in allen 27 Mitgliedstaaten teilweise verboten – allerdings nur vorübergehend. In den kommenden zwei Jahren dürfen die Stoffe Thiamethoxam des Basler Agrochemiekonzerns Syngenta sowie Imidacloprid und Clothianidin von Bayer bei Sommergetreide, Mais, Raps, Baumwolle, Sonnenblumen und Kürbissen nicht mehr verwendet werden. Allerdings ist deren Einsatz im Obst- und Gemüsebau (etwa bei Karotten oder Zwiebeln) sowie bei Wintergetreide und Zuckerrüben weiterhin erlaubt. Das Pestizid Fipronil von BASF ist zwar auf EU-Ebene verboten, hat allerdings von der deutschen Regierung eine Ausnahmeregelung für den Einsatz bei Kartoffeln zur Bekämpfung des Drahtwurmes bekommen.

Quelle: Greenpeace

Noch mehr Informationen zum Thema gib’s hier:

hier geht's zur Greenpeace Kampagne Bienen