Böden im Münsterland

Braunerde

Ein verbreiteter Bodentyp im Münsterland ist die Braunerde. Das wichtigste Kennzeichen dieses Bodentyps ist ein verbraunter B-Horizont. Die Verfärbung entsteht durch Verwitterung des Ausgangsgesteins (C-Horizont) und Verlagerung von Material aus dem A-Horizont.

Das Beispiel zeigt eine basenarme Normbraunerde (Subtyp) mit dem Profil Ah/ Bv/ C. In der Bodenkunde wird diese Klassifizierung mit BBn abgekürzt. In der internationalen WRB (World Reference Base for Soil Science) wird diese Braunerde als Cambisol klassifiziert.

Dieser tiefgründige Sandboden hält weder Feuchte noch Nährstoffe besonders gut. Für Landwirtschaft und Gartenbau ist er deshalb nur bedingt geeignet. Er ist zwar leicht zu bearbeiten, muss aber dauern mit Wasser und Nährstoffen versorgt werden. Der Grundwasserabstand beträgt an der Grabungsstelle mehr als 7 m (Geländeoberfläche bis freie Grundwasseroberfläche). Die Auswirkungen der Klimaänderung sind an diesem Standort deutlich spürbar.

Im Ackerschätzrahmen werden keine 30 Punkte erreicht. Als die Niederschläge im Münsterland noch gleichmäßiger und höher waren, mag die Bewertung um bis zu 10 Punkte höher gelegen haben.

Zum Vergleich: der „Landessortenversuch Silomais NRW 2020“ nennt für den Standort Dülmen-Merfeld eine Ackerzahl von 31.

Vor der Nutzung durch die Landwirtschaft (Weiden-Plaggenesch, Gemüsegarten, Telgenkamp, etc.) bestand die Vegetation auf Böden dieser Art aus einer Sandheide-Gesellschaft mit Sand-Birken (Betula pendula), Wacholder (Juniperus communis) und Besenheide (Calluna vulgaris). Ein vergleichbares Ökosystem besteht heute noch in der Westruper Heide.

Braunerde Arenosol

Zur besseren Darstellung wurde das Foto mittels Kontrastspreizung und -verstärkung sowie Abdunkeln nachbearbeitet. Der Maßstab wurde nachträglich eingefügt. Er ersetzt das ursprünglich verwendete Gliedermaß, dass leider überbelichtet war, so dass die Skala unlesbar wurde. Die Horizontgrenzen sind fließend, daher sind die weißen Markierungslinien als Anhaltspunkte zu verstehen.

Ah-Horizont:

Das nachgestellte „h“ weist auf den Humusanteil hin. Der Aufschluss befindet sich auf einem Gartengrundstück. An der Grabungsstelle wurde seit 1995 bei extensiver Mineraldüngung Zierrasen kultiviert. Davor gab es seit den 1980er Jahren einen rudimentären Gehölzbestand mit niedrigen Laubgehölzen (Kerria, Forsysthia, Ribes) sowie einem Pflaumenbaum (Prunus domestica). In den 1950er Jahren befand sich hier wahrscheinlich ein Gemüsegarten.

Der humushaltige Horizont reicht bis in eine Tiefe von > -2 dm. Darunter beginnt die Auslagerung von Huminstoffen, der geringen Tonfraktion (Goethit) sowie von Eisenanteilen in den B-Horizont.

In allen Horizonten sind Fehlstellen (Löcher in der Profilwand) sichtbar. Hierbei handelt es sich um herausgebrochene Kieselsteine. Teilweise handelt es sich auch um vergrabenen Schutt (Ton-Dachpfannen-Scherben im A-Horizont).

Bv-Horizont:

Das nachgestellte „v“ weist auf die Verbraunung bzw. Verwitterung, also die braune Verfärbung durch Huminstoffe aus dem A-Horizont bzw. die durch Verwitterung des C-Horizonts entstehenden Tonminerale.

Der B-Horizont lässt sich deutlich in zwei Schichten teilen, die eine nach unten abnehmende Braunfärbung zeigt. Der oberere Bv1 ist wesentlich stärker gefärbt, als der untere Bv2. Das Profil zeigt Anzeichen zum Übergang zur Humusbraunerde (Ah/ Ah-Bv(/Bv/)C. Die Differenzierung ist noch nicht sehr ausgeprägt. Die Unterscheidung in Bv1 und Bv2, ist in der offiziellen Bodensystematik nicht definiert.

Da Boden sich von unten nach oben entwickelt, kann man davon ausgehen, dass der B-Horizont ursprünglich einen gleichmäßigen Braunton hatte. Mit einsetzender Humifizierung der Bodenauflage (Laub, etc.) und Auswaschung in den oberen B-Horizont wurde die Verbraunung in Bv1 beschleunigt.

Rostige Farbanteile, die auf einen hohen Eisenanteil hindeuten, fehlen. Ein Bleichhorizont (Podsolierung) ist noch nicht erkennbar, stellt aber den nächsten Entwicklungsschritt dieses Bodentyps dar.

C-Horizont:

Ganz zu unterst folgt das sogenannte Ausgangsgestein. In diesem Fall handelt es sich um fluviatilen Sand aus dem Quartär. Dieser ist beinahe rein, also ohne Färbung. Beim Abteufen auf 20 dm bis 300 dm unter GOF (=Geländeoberfläche) wäre sicher rein weißer Quarzsand (=Silikat, SiO2) zutage getreten. Auf Grund der Reinheit des Ausgangsgesteins konnten kaum Tonminerale entstehen, was dazu führt, dass diese Bodenart arm an Nährstoff ist. In Verbindung mit der schlechten Wasserkapazität erklären sich historische Flurbezeichnungen wie ‚Dernekamp‘: ‚Derne‘ = trocken, dürr und ‚kamp‘ = Saatland, also in etwa „dürrer Acker“.

Besonders in den B-Horizonten, aber auch im C-Horizont sind dunkle Adern mit Material aus dem A-Horizont erkennbar. Dabei handelt es sich um fossile Wurzeln, die nach der Kompostierung Hohlräume hinterlassen haben. Die Hohlräume verfüllten sich mit Bodenpartikeln, die vom Regenwasser nach unten transportiert wurden. Gänge von Regenwürmern können einen ähnlichen Effekt haben. Das ist hier nicht der Fall, da starke Fröste, die die Würmer in tiefere Bodenschichten treiben, selten auftreten. Deren Aktivität findet somit eher im Oberboden statt.

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